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Annie
"Mit den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon"
Bis zum Ende des letzten Jahres sagte mir dieser Spruch von Jean de la Fontaine nicht viel. Wir hatten uns bisher schon von einigen unserer Haustiere trennen müssen, aber es waren "nur" Goldhamster und Wellensittiche gewesen.
Am 27.12.09 musste unsere Golden Retriever-Hündin Annie eingeschläfert werden.
Dass es über kurz oder lang passieren würde (sie war schon über 14 Jahre alt), war mir klar, aber ich fürchtete mich trotzdem davor.
Im Oktober war eine Geschwulst hinter dem letzten Backenzahn oben links
entfernt worden und die hiesige Tierklinik wollte es einschicken
lassen, weil es übel aussah. Ich war dagegen, weil ich mir sagte,
dass Annie bei einem bösartigen Befund aufgrund ihres hohen Alters nur noch naturheilkundlich betreut werden sollte.
Mitte Dezember war das linke Bäckchen immer dicker geworden und
wir bekamen kurzfristig einen Termin in der Tierklinik Hofheim am 23.12. bei Dr.
Annalena Michel, die ein Maulschleimhautmelanom diagnostizierte.
Annie war in der letzten Zeit richtig gut beieinander gewesen - sie hatte sich sogar
zu kleinen Spielchen mit einem Nachbarshund animieren lassen und Stöckchen, Tannenzapfen u. ä. wie früher spazierengetragen - ein in sich ruhender Hund, der glücklich war, wenn die Familie beisammen war und genügend zu essen im Napf (es war ihr eigentlich immer zu wenig...).
Am Sonntagmorgen (27.12.) hörten wir um halb acht Gejammer aus der Küche und
fanden einen orientierungslosen Hund vor, dessen linke Kopfseite total angeschwollen und die Nickhaut vorgefallen war - sie sah aus wie ein Zombie und war nicht mehr ansprechbar.
Ich rief ihre Tierärztin an, die um 10:45 Uhr ankam.
Annie war schon morgens kaum noch auf der Welt, sie schlief tief und
fest und man merkte richtig, dass sie schon halb auf der anderen Seite
des Regenbogens war. Um 11:15 Uhr war es dann vorbei, von den
aufgezogenen 25 ml Pentobarbital war sie schon nach 2 ml über den Wolken.
Wir wussten schon seit langer Zeit, dass Annie auf jeden Fall kremiert werden sollte.
Bei der vorherigen Hündin meiner Eltern war es das Ehepaar Balon aus dem Taunus ("Pietät für Tiere") gewesen, die wohl die Vorgänger Kleintierkrematorium Im Rosengarten in Bad Soden waren.
Weil meine Eltern sehr zufrieden gewesen waren, nahmen wir diese Adresse.
Um 14 Uhr wurde Annie abgeholt von einem Mitarbeiter des Kleintierkrematorium Im Rosengarten, und wir hatten ausgemacht, sie eine Woche später (am 5.1.) zurückzubekommen.
Aber ich war am Montag (einen Tag nach Annies Tod) schlimm neben der Spur;
ich wusste bisher gar nicht, dass man so viel weinen kann....
Zwar konnte und kann ich mir Giula (vom Ilmenautal), die Hündin meiner Eltern, jederzeit "ausleihen" - damit es nicht ganz so still im Haus ist - aber es blieb ein sehr dumpfes Gefühl zurück, dass etwas überhaupt nicht stimmte.
Dann wurde mir klar, dass Annie in ihren 14 Jahren entweder immer bei uns
gewesen war oder bei meinen Eltern, deren Haus sie als ihre Zweitwohnung ansah. Nie woanders.
Und jetzt sollte ich sie bis zum 5.1. weit weg von uns lassen? Das ging
nun gar nicht.
Also schnell gecheckt, wie lange man von Darmstadt nach Badbergen zum
Krematorium fährt und mir als Obermaximalgrenze 450 km einfache Richtung
gesetzt, weil ich ja am selben Tag noch zurück wollte.
Den Routenplaner befragt und "398,98 km" gelesen. Puh.
In Badbergen angerufen und gefragt, ab wann Annie abgeholt werden könnte.
Der sehr nette Herr am Telefon meinte, es sei kein Problem, dann würde
Annie bevorzugt kremiert werden, sie sei schon seit dem 29.12. da.
Meinem Mann erzählt, dass ich am darauf folgenden Tag nach Badbergen
fahren und Annie noch vor Silvester nach Hause holen würde. Er zweifelte
zu der Zeit sowieso etwas an meiner Zurechnungsfähigkeit und meinte
dann, nun hätte ich wohl endgültig einen an der Klatsche. So ganz
unrecht hatte er wohl nicht ;-)
Wir sind dann doch gemeinsam hingefahren und so war die Strecke gut zu bewältigen.
Im Internet hatte ich mich schon ein bisschen schlau gemacht über den Ablauf und alles Drumherum, aber wenn man es selbst sehen kann, hat es eine ganz
andere Qualität.
Trotzdem bin ich mit etwas Fracksausen dort angekommen.
Das große Backsteinhaus ist ruhig gelegen außerhalb von Badbergen - es
war verschneit und eine sehr schöne stille Winteratmosphäre. Alles ist mit hellem Holz eingerichtet, alle Räume sehr freundlich und liebevoll gestaltet.
Es gibt mehrere Zimmer, in denen man auf sein Tier warten kann. Auf
Wunsch gibt es auch Kaffee & Co..
Falls man noch Beratung braucht, nehmen sie sich viel Zeit.
Sehr schön - bei uns unter dem Schnee nur zu ahnen - ist auch der große
Rosengarten, das muss im Sommer die Super-Farbenpracht mit Duftwolken
sein :-)
Dort kann man schön spazieren gehen, Tiere dürfen natürlich mit.
Es hört sich vielleicht kitschig an, aber das ganze Ensemble verströmte Ruhe und Frieden, verbunden mit viel Liebe zum Tier.
Zum verabredeten Zeitpunkt kam eine Mitarbeiterin des Rosengartens zu
uns (wir hatten uns die Zeit damit vertrieben, die verschiedensten Urnentypen zu besichtigen bzw. in Rosenbüchern zu blättern) und übergab uns Annies Asche, sehr liebevoll verpackt in ihrem Schatzkästchen aus unbehandeltem Holz, das wir uns schon am Wochenende ausgesucht hatten.
Das Kästchen war in einem Karton, der mit Rosenpapier ausgeschlagen war,
dazu eine gelbe Rose aus dem Garten und ein kleines (Erinnerungs-)Steinchen dazu, auf dem "Harmonie" stand.
Neugierig machte ich gleich das Kästchen auf.
Annies Asche (und die Überreste ihres Lieblingsplüschis, der mit
verbrannt werden durfte) war in einem verplombten Plastiksäckchen mit
der Nummer der Einzeleinäscherung und ihrem Vor- und Nachnamen.
Das, was die Maus ausgemacht hatte, ihr typisches Retrieverwesen, ihre
Art, die Welt zu sehen, ihre Anhänglichkeit und Liebe (der Aufzählungen wären kein Ende, aber wem sag' ich das) waren da nicht mehr findbar; das alles war schon am Sonntag mit ihr weggegangen.
Nach Abwicklung der Formalitäten zeigte uns die Inhaberin, Frau Gisela Nietfeld, das Gelände, die Abschiedsräume und wir unterhielten uns noch eine Zeitlang sehr nett.
Es ist keine "Abfertigung", sondern die Liebe zum Tier ist sehr spürbar - in so
hochemotionalen Momenten ist man ja besonders feinfühlend.
Ich war und bin glücklich über meine Entscheidung, sie dort kremieren zu
lassen und selbst wieder abzuholen.
Wir haben sie am Neujahrstag an ihrem Lieblingsplatz begraben, tatkräftig unterstützt von Giula, die meinem Mann beim Graben "helfen" wollte und die ganze Zeit um uns herumsprang und das Ganze nicht zu traurig werden ließ. Nun liegt Schnee darauf, und die gelbe Rose aus Badbergen hat ein Schneemützchen und sieht sehr hübsch aus. Das hätte Annie, dem Schneefex, auch gut gefallen.
Ich bin heilfroh, dass wir sie so schnell zurückholten. Meinem Nervenkostüm
ging es schlagartig besser, als ich mich für die Fahrt entschieden hatte
- und Retrieverleute fahren ja sowieso ab und zu weite Strecken,
sei es zu Prüfungen, Ausstellungen, Mitgliederversammlungen, Ärzten oder
- in unserem Fall - zu einem Krematorium.
Wir danken Monika und Jörn Marschall (Golden Retriever "... of Wagtail's
Meadow") für diesen wundervollen Hund, den wir so lange bei uns haben
konnten - sie wurde 14 Jahre und 3 Monate alt! - und der dann auch
friedlich zuhause einschlafen konnte, so wie wir es uns immer erhofft
hatten - im Kreis ihrer Lieben (dank der Weihnachtstage waren unsere beiden
Söhne hier und konnten sich von Annie verabschieden) und betreut von ihrer langjährigen Tierärztin.
Inzwischen ist ein wenig Zeit vergangen und es wird langsam besser.
Es ist nicht mehr die tiefe Trauer um sie, sondern eher ein Bedauern, dass sie nicht mehr lebt.
Und diese blitzartigen Erinnerungen an alltägliche Situationen überfallen mich nicht mehr so oft wie aus heiterem Himmel - sie machen einem ja die ersten Tage so schwer, weil man sich nicht dagegen wehren kann.
Seien es die Umwege, die man um die (nicht mehr herumliegende) Decke macht oder die nicht mehr eingeforderten Spaziergänge / Brötchenreste / Fleischwurststücke, die "Gespräche" mit ihr, der verpennt blinzelnde Hund im Flur, wenn wir nach Hause kamen - sie fehlt uns sehr.
Oder die Erinnerungen an früher, wenn sie über die Äcker stob, mit anderen Hunden spielte, kaum aus dem Wasser zu kriegen war und mit Hingabe "ihre" Senioren in den Altenheimen bespaßte. Schöne Zeiten!
Aber über kurz oder lang muss hier wieder ein kleiner Vierbeiner herumspringen und uns die Haare zu Berge stehen lassen, denn - um mit Heinz Rühmann zu sprechen - man kann auch ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht.
Nun werden wir sehen, was 2010 uns bringen wird.
Neues Jahr, neues Glück, neuer...... Hund?
Ich wünsch' es mir so sehr.
Du kannst...
Du kannst Tränen vergießen, weil sie gegangen ist,
oder Du kannst lächeln, weil sie gelebt hat.
Du kannst Deine Augen schließen und beten, dass sie zurückkommen wird,
oder Du kannst Deine Augen öffnen und sehen, was von ihr geblieben ist.
Dein Herz kann leer sein, weil Du sie nicht mehr sehen kannst,
oder es ist voll von der Liebe, die sie mit Dir geteilt hat.
Du kannst dem Morgen den Rücken drehen und im Gestern leben,
oder Du kannst dankbar für das Morgen sein, eben weil Du das Gestern gehabt hast.
Du kannst immer nur daran denken, dass sie nicht mehr da ist,
oder Du kannst die Erinnerungen an sie pflegen und in Dir weiterleben lassen.
Du kannst weinen und Deinen Geist verschließen, leer sein und Dich abwenden,
oder Du kannst tun, was sie wünschen würde:
Lächeln, die Augen öffnen, lieben und weitermachen
(Verfasser unbekannt)
Sabine Strübig
in liebevoller Erinnerung an Annie
sastrue@web.de
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